Raum im dadaistischen Film: „Entr’Acte“ von René Clair

Beitragsbild
Dreharbeiten ENTR’ACTE von René Clair

Einführung

Dada ist eine Kunstrichtung, die sich gegen jede Form sozialer und künstlerischer Hierarchien und Konventionen richtet. Auch im Film wird jede ästhetische Norm und Regelhaftigkeit abgelehnt und in Frage gestellt. Dada versucht seine Kritik nicht in der Formensprache des Kritisierten zu formulieren, sondern diese selbst in der dadaistischen Praxis aufzulösen. Dies gilt insbesondere auch in der Behandlung von Raum und Zeit. Selbst bis in die Vorführsituationen hinein versuchten die Dadaisten das Verständnis eines Kontinuums von Zeit und Raum zu brechen. Dabei wird anarchisch-spielerisch das gesamte Repertoire filmischer Codes aus Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm zitiert und zugleich dekonstruiert. Dadaistische Filme treffen daher in einer besonders hohen Dichte metamediale Aussagen.

Anm: Siehe auch Vertiefung >>Dada (Definition, Methode)

Filmischer Raum in Entr’acte

Das zentrale Werk des dadaistischen Films ist Entr’acte (F 1924/25). In dem Film von René Clair (Regie/Montage) und Francis Picabia (Konzeption/Buch) wurden sämtliche Erwartungen an eine kontinuierlich erzählte Geschichte schon auf Drehbuchebene über Bord geworfen. Die visuelle Konzeption des Films ist geprägt von einer Fülle filmischer Tricks und Montagemethoden, die alle damals bekannten Möglichkeiten der Bildgestaltung zitieren. Während Entr’acte bezüglich seiner zeitlichen Entwicklung noch gewisse Kontinuitäten aufweist, wird die räumliche Kontinuität permanent in Frage gestellt. Der Film wird von zwei Szenen eingerahmt, in denen jeweils der filmische Raum gebrochen und erweitert wird: Im Prolog wird eine Kanone in Richtung Zuschauer abgefeuert und am Ende des Films springt einer der Protagonisten durch die Leinwand. Wie Entr’acte Raum im Film thematisiert, wird in der folgenden Analyse dieser Szenen dargelegt. Dabei zeigt sich, dass die metamedialen Aussagen des Films weit über das Werk selbst hinausweisen und Grundsatzfragen des filmischen Raums berühren.