Zeit im surrealistischen Film: Un chien andalou

(Beitrag ist zur Zeit noch in Bearbeitung)

Szene aus UN CHIEN ANDALOU, CC-BY-NC NTBBild: Szene aus „Un chien andalou“ (Luis Buñuel 1929), Quelle: NTB CC BY-NC

Un chien andalou (Ein andalusischer Hund)

Un chien andalou, F 1929, 35 mm, s/w, 18 Min.

Buch: Luis Buñuel, Salvador Dalí; Kamera: Albert Duverger; Schnitt: Luis Buñuel; Ausstattung: Pierre Schildknecht; Regieassistenz: Pierre Batcheff; Musik (Schallplatte): Richard Wagner,’Tristan und Isoldes Tod‘ sowie argentinische Tangos; Produktion: Luis Buñuel.

Darsteller: Pierre Batcheff (Der Mann), Simone Maureuil (Die Frau), Luis Buñuel (Mann mit Rasiermesser), Salvador Dalí (Am Klavier hängender Seminarist), Fano Messan (Zwitter, der überfahren wird), Jaime Miravtelles (Seminarist), Marval (Seminarist), Robert Hommet (Junger Mann), u.a.

Gedreht ab dem 19. März 1929 in den Studios Billancourt, Paris, und in der Umgebung von Le Havre. Uraufführung: 6. Juni 1929, Paris, Studio des Ursulines, zusammen mit „Les Mystères du château du Dé“ von Man Ray.

Filminhalt

Es war einmal: Eine Wolke bewegt sich auf den Vollmond zu, ein Rasiermesser schneidet durch das Auge einer jungen Frau. Acht Jahre später: Ein Fahrradfahrer stürzt auf der Straße. Die junge Frau hilft ihm. Fahrradfahrer und junge Frau in einer Wohnung. Beide schauen aus dem Fenster: Inmitten einer Menschenansammlung spielt ein androgyner Mann mit Stock mit einer abgeschnittenen Hand. Er wird von einem Auto überfahren. Zurück im Zimmer nähert sicher der Fahrradfahrer der jungen Frau. Drei Uhr nachmittags: Ein Doppelgänger des Mannes erscheint und bestraft ihn. Sechzehn Jahre vorher: Der Fahrradfahrer schießt auf ihn. Der Angeschossene bricht auf einer Waldlichtung zusammen. Der Torso einer Frau bleibt zurück. Die junge Frau verlässt das Zimmer und findet sich an einem Strand wieder, wo sie mit einem jungen Mann spazieren geht. Frühling: Die junge Frau und der junge Mann sind bis zur Brust im Sand eingegraben und hilflos der glühenden Sonne ausgesetzt … Ende.

Das Video wurde von der Vimeo-Seite von amisgal eingebettet. Beim Abspiel gelten nicht mehr unsere, sondern dritte Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen

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Grundidee

Ergebnis zweier Träume

Die Grundidee zum Film beruht auf der Verknüpfung zweier Träume, die sich Salvador DalÍ und Luis Buñuel Ende 1928 in Figueras erzählten. DalÍ träumte von einer mit Ameisen übersäten Hand und Luis Buñuel von einer lang gezogenen Wolke, die den Mond wie ein Messer durchschnitt. Die beiden Künstler beschlossen daraus ein Drehbuch zu erarbeiten, das nach einer Woche vorlag. Buñuel realisierte das Buch im Frühjahr 1929 in Paris mit von seiner Mutter geliehenem Geld.

Der Produzent und der Regisseur des Films, Buñuel, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit dem Maler Dalí. Beide leiteten ihren Standpunkt von einem Traumbild ab, das wiederum andere Traumbilder auf die gleiche Weise prüfte, bis das Ganze eine kontinuierliche Form erhielt. Dabei ist folgendes zu beachten: Jedes Bild, jeder Gedanke, der in den Mitarbeitern aufstieg, wurde sofort verworfen, wenn er aus der Erinnerung oder aus ihrem Kulturmilieu stammte oder wenn er auch nur eine bewußte Assoziation mit einem früheren Gedanken hatte. Die Mitarbeiter erkannten nur solche Bilder als gültig an, die auch bei kritischster Untersuchung keinerlei Erklärungsmöglichkeiten boten. Natürlich wurden auch die Beschränkungen der üblichen Moral aufgegeben.

Buñuel, Luis: Mein letzter Seufzer, dt. Erstausgabe Königstein/Ts. 1983

Diese Erklärung hatte die Funktion rationale Deutungen des Films von Anfang an abzuweisen. Buñuel wollte keine rationale, psychologische oder kulturelle Deutung des Films zulassen, da dies ihrer surrealistischen Methode widersprach. Die spätere Rezeptionsgeschichte zeigte, dass es nichts nutzte: Immer wieder gab es Versuche die Bildmotive als Symbole oder Metaphern zu interpretieren und den Film psychoanalytisch zu deuten.